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Ett Hundra Kronor  

Wer im Riddarsholmen in Stockholm vor den zahlreichen Sarkophagen der schwedischen Könige steht,ist schnell geneigt, Vergleiche mit dem ägyptischen Museum im Louvre zu ziehen:  

kalt, unheimlich, majestätisch, wertvoll, überdimensioniert, trotzdem formvollendet, gefühllos, zeitlos, ewig.  

Eine Verwandtschaft beider Kulturen scheint mir allerdings ausgeschlossen, so dass es eher auf eine Gemeinsamkeit bei der tiefen Verehrung ihrer Könige hinausläuft.

Dies bestätigt sich übrigens in Stockholm auf Schritt und Tritt; die Monarchie ist hier felsenfest verankert.  

Diese Verehrung spiegelt sich nicht unbedingt auf den Geldscheinen und schon gar nicht auf demHundert Kronen Schein wieder. Auf der Vorderseite dieses giftgrünen Scheins sieht man das Bildnis eines offenbar bedeutenden Botanikers und auf der Rückseite Fruchtknoten und einen grässlichen überdimensionierten Insektenkopf.  

Kann ein Land, das solche Geldscheine herausgibt, trotzdem guten Geschmack bei der Hundezucht haben?  

Ich war gespannt auf meine erste schwedische Spezialzuchtschau für Bearded Collies in Tumba am 28.05.2005.  

Das Ausstellungsgelände lag ideal versteckt in den weiten Wäldern Schwedens und war für den Zweck vorbildlich.  

Abgesehen von einigen Kleinigkeiten, unterscheidet sich der Ablauf und die Einteilung der Klassen kaum von anderen Ländern. Einen großen Unterschied gab es trotzdem:

Das Messen der Größe war Pflicht (Es gab mit 47 cm jedoch nur eine deutliche Ausreißerin nach unten, bei dem Rest hätte man sich das Messen eigentlich schenken können.)  

Auffallend war die gute Mitarbeit der Aussteller, kaum ein Hund musste überhaupt noch in den Ring gerufen werden und auch bei größeren, geteilten Klassen waren zum Schluss alle wieder pünktlich im Ring.  

Die Rasse Bearded Collie scheint in Schweden auf einem guten Weg zu sein. Ausgefallene Typen oder krasse Erscheinungen gab es nicht. Sehr hohe Gebäudequalität in fast allen Klassen war genauso festzustellen wie durchweg gutes Wesen (mittlerweile leider in anderen Ländern nicht immer selbstverständlich).  

Allerdings gab es auch gewisse Kritikpunkte wie z. B. bei manchen schwarzgeborenen Beardies viel zu helle Augen. Wenn Zähne fehlten, war es immer der P 2, manchmal sogar auf beiden Seiten.  

Nochmals hervorzuheben sind die guten Köpfe und die gute Bewegung, hier gab es nur ganz selten etwas zu beklagen. Nur ein einziger Hund war offensichtlich getrimmt, nur ganz wenige am Oberschädel toupiert. Puder, Spray und andere bekannte Hilfsmittel kamen ebenfalls nur ganz wenig zum Einsatz.  

Mein Kompliment an die schwedische Beardiezucht erstreckt sich auch auf die gezeigten Zuchtgruppen und Nachzuchtgruppen, die große Identität in Typ, Front und Größe zeigten.  

Man darf deshalb wohl ohne Übertreibung behaupten, dass - auf die Gesamtheit bezogen -die Beardiezucht in Schweden keinen Vergleich mit anderen Ländern zu scheuen braucht. Angesichts der ungünstigen geographischen Lage, d. h. der sehr weiten Wege zu ausländischen Ausstellungen, ist die entsprechende Präsenz ziemlich eingeschränkt sowie sehr zeitaufwendig und teuer – was umgekehrt genauso gilt. Dies birgt auch ein bisschen die Gefahr in sich, dass eher untereinander gezüchtet wird und nur selten frisches Blut aus dem Ausland hinzu kommt. Hier besteht zwar keine akute Handlungsnotwendigkeit, aber der Hinweis sei gestattet, dass der eine oder andere Züchter - im Interesse aller schwedischen Züchter - die Strapazen einer totalen Fremdverpaarung demnächst auf sich nehmen sollte. 

Ich möchte schließen mit einer Werbung für das Land Schweden und dem Hinweis, dass es sich lohnt, etwas kennen zu lernen, über dem eine blau-gelbe Nationalflagge schwebt: blau steht für den Himmel und gelb für die Sonne. 

Rolf Blessing - Mai 2005

 

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