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Millennium in Birmingham  

Es gibt zwei gute Gründe, Anfang März nach Birmingham zu fahren. Der erste Grund liegt in dem Unterschied des Wetters: während hier noch winterliche Verhältnisse herrschen, hat in Birmingham der Frühling bereits begonnen, was eine durchaus willkommene Abwechselung bedeutet. Man sonnt sich im Park der St. Philips Cathedral und schaut dabei dem geschäftigen Treiben zu, bummelt durch die sonnendurchfluteten Einkaufsstraßen, bewundert die Denkmäler und die viktorianischen Fassaden und erkundet in einem kleinen Vorort namens Moseley Wald und Wiesen. Außerdem besteht in dieser Jahreszeit Gelegenheit zu beobachten, wie eine erz-anglikanische Bevölkerung den Nationalheiligen der katholischen Iren am

St. Patrick‘s-Day in einer Art des Karneval feiert. Es ist keine andere Welt, aber doch eine mit anderen Nuancen.  

Der zweite Grund nach Birmingham zu fahren heißt “Crufts”. Crufts ist nicht Pflicht, aber der Besuch Verpflichtung, darüber zu berichten. Im übrigen erscheinen mir die in den Medien angestellten Vergleiche wie z. B. “das Mekka der Hundewelt” genauso überzogen wie die Aussage, Festlandeuropa sei der Appendix Englands.  

Es lohnt sich eigentlich fast immer, dabei gewesen zu sein und um es direkt vorweg zu nehmen: auch im Jahr 2000 hat es sich gelohnt. Noch vor drei Jahren sah es so aus, als ob es um unsere Rasse in England nicht mehr so gut bestellt wäre und dass die Insulaner gut daran tun würden, sich auch mal auf dem Festland umzuschauen. Dass sie das gelegentlich getan haben, ist bekannt, aber es ist nicht symptomatisch für das, was wir nun sehen und gelegentlich auch fühlen konnten. England hat sich - mit gewissen Einschränkungen - zur Millenniumshow aus eigener Kraft gerettet. Es herrscht wieder mehr Vielfalt, teilweise auf hohem Niveau, nur die Professionalität hat etwas nachgelassen.  

Nun zur Ausstellung:  

Obwohl Hündinnen für die Zucht mindestens genauso wichtig sind wie Rüden (lt. Fr. Dr. Eichelberg – VDH - sogar wichtiger), fiel auf, dass der Ring um Miss Wilding (Rüden) besser besucht und kurz vor der Entscheidung in der Offenen Klasse fast umlagert war. Miss Lanning (Hündinnen) musste mit deutlich weniger Zuschauern auskommen. Beide Richterinnen machten es spannend und arbeiteten im gleichen Rhythmus, so dass sie fast auf die Sekunde gleichzeitig fertig waren. Dass sich Miss Wilding zwischenzeitlich die Schuhe auszog und auf Socken richtete, hatte sicherlich weniger mit der Qualität der Hunde sondern vermutlich eher etwas mit dem Zustand ihrer Venen zu tun.     

Die Hündinnen waren im Stand teilweise nett anzuschauen. Es taten sich jedoch nur sehr wenige beim Laufen hervor; viele wirkten lustlos oder überfordert. Hinzu kam, dass einige Aussteller bei den Hündinnen leider nicht die großzügige Weite des Ringes nutzten und somit das Bild einer Rasse entstehen ließen, die weite Wege offenbar scheut.

Mit Bonnie & Clyde’s Heavenly Sunrise gewann im übrigen zum erstenmal eine in Deutschland gezüchtete Hündin eine Klasse auf der Crufts, und zwar die Klasse “Special Yearling”(alle Achtung!).  

Ganz anders war es bei den Rüden. Sie liefen überwiegend was das Zeug hielt, auch wenn dabei schon mal die Schwanzhaltung litt. Man kann - glaube ich - mit Fug und Recht sagen, dass in den Rüdenklassen eigentlich immer für jeden etwas dabei war. Erstaunlich war für mich, dass der Jungrüde Kiltondale Mcauley als einziger zwei Klassen gewann, nämlich “Special Puppy” und “Undergraduate”. Dass am Ende Potterdale Prophet bester Rüde wurde und damit seinen Titel sozusagen verteidigte, bestätigte eher viele in ihren Ansichten, als dass Verwunderung aufkam.  

Miss Lanning zog zum Schluss eine sehr junge Hündin (Pipadine Quintessence) den gestandeneren vor, was zur Folge hatte, dass für die Ermittlung des BOB kein Oberschiedsrichter erforderlich wurde; beide Richterinnen einigten sich sehr schnell auf Prophet.  

Die Entscheidung im Wettbewerb der Gruppe I ließ lange auf sich warten, da im Ehrenring zunächst die Gruppe der Arbeitshunde gerichtet wurde; auf den Plätzen 1 – 4 standen nur deutsche Rassen. Zuvor gab es noch den Agility-Wettbewerb für kleine Hunde und bevor es endlich losging, wurde noch eine sehr gekonnte Obedience-Prüfung mit zwei Border-Collies präsentiert. Sodann konnten die zahlreichen Zuschauer verfolgen, wie Prophet dank excellenter Vorführung und topfit auf den Punkt die Gruppe I gewann (wie schon im Vorjahr). Ein großer Tag für alle Beardie-Freunde. Zum Show-Sieg hat es am nächsten Tag dann nicht mehr ganz gereicht. Dies ist einem Bearded-Collie erst einmal gelungen und zwar war es Potterdale Classic at Moonhill mit Brenda White im Jahr 1989.  

Das war Birmingham 2000. Ein Stück Perspektive sowohl für das Empire als auch für Europa. Ich bin gespannt, wie schnell die Integration aufgrund der gelockerten Quarantänebestimmungen vonstatten gehen wird. Viele sind überzeugt, dass beide Seiten dadurch gewinnen werden und hoffen natürlich, einmal bei der Crufts dabei sein zu dürfen. Manch wenige werden sicherlich auch davon träumen, irgendwann einmal dort zu gewinnen.

 

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