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Der Ball ist rund  

Das Jahr hat bekanntlich 52 Wochenenden. Und wenn Deutschlands Autobahnen schon unterhalb der Woche gut verstopft sind, so sollte man meinen, dass es hier an den Wochenenden etwas ruhiger zugehen würde. Weit gefehlt, denn es gibt da ja noch des Deutschen liebstes Kind: sein Hobby. Sicher betreiben manche ihr Steckenpferd still zuhause, indem sie samstags ihr Auto von 9.00 Uhr morgens bis 18.00 Uhr abends waschen, polieren usw. und sonntags ihre Briefmarkensammlung neu sortieren. Aber es gibt auch die Mobilen: Taubenzüchter, Motorrad- und Formel-1- und Fußball-Fans, Pferdeturniersportler usw. Sie alle tummeln sich mit uns, den Hundeliebhabern, samstags und sonntags auf der Autobahn und erleiden die Auswirkungen der chaotischen und nicht mehr nachvollziehbaren Reparatur- und Pflegepolitik der deutschen Autobahnverwaltung.  

Der Frage, wie viel Ausstellungen es im Jahr sein können, ist keine Grenze gesetzt. Bis auf Weihnachten und Neujahr werden in Europa an jedem Wochenende gleichzeitig mehrere internationale Ausstellungen angeboten. Welche Ausstellung es aus der Palette des Angebotes dann letztlich sein soll, ist eine Geschmacksfrage und bleibt jedem selbst überlassen.  

Bei näherem Hinsehen, ist mir dabei aufgefallen, dass man als Aussteller sein Hobby noch am ehesten mit der Fußballbundesliga vergleichen könnte.  

So ist es im Fußball zum Beispiel von Bedeutung, auf welchen Gegner die Mannschaft trifft und ob es ein Auswärts- oder ein Heimspiel ist. Eher zweitrangig sind normalerweise die Bodenbeschaffenheit des Platzes, die Witterungsverhältnisse, die Trikotfarbe des Gegners etc. Sie werden erst nach dem Spiel wichtig, wenn nämlich eine Niederlage eingefahren wurde. Dann wird sehr genau geschaut und dazu auch noch die Gerüchteküche eingeschaltet, und gefragt a) nach den nächtlichen Eskapaden der Stürmer, die sich auf deren Form auswirken, b) nach dem Liebesverhältnis des Trainers, welches auf eine Lücke in der Geheimhaltung der Taktik schließen lassen könnte oder nach den heimlichen Verhandlungen über Wechsel und Wechselgeld, welche die Motivation negativ beeinflussen.  

Mancher möchte meinen, dass sich dies bei Hundesausstellungen ganz anders verhält, aber ist das wirklich so?  

Wird nicht nach manchen Entscheidungen heftig moniert, dass der Ausstellungsring zu klein, das Umfeld zu laut und der Boden zu glatt war? Fällt es nicht auf, wenn manchmal nur die vermeintlich gut angezogen Aussteller vorne stehen und deren „Trikotfarben“ grell ins Auge springen. Wird nicht schon mal am Ringrand über Lebenswandel und potentielle Zuneigungen spekuliert? Und die Frage, was welcher Welpe oder Deckrüde kostet und wer demnächst zu wem fährt oder von wem etwas bekommt, ist sicherlich auch keine Seltenheit.  

Auch die Schönheit des Sieges ist mit dem Fußball manchmal vergleichbar; es gewinnt nicht immer die Mannschaft, die das schönste Tor geschossen hat, z. B. den Fallrückzieher aus 20 Metern, der Freistoß in den Winkel oder die Kombination über 10 Stationen mit dem Vollstrecker auf der Torlinie (egal ob mit dem Kopf, der Zunge oder Popo). Es gewinnt die Mannschaft, die mehr Tore geschossen und damit die entscheidenden Kriterien erfüllt hat, egal, wie der Ball im Einzelfall die Torlinie passierte, wobei wir alle natürlich die Mannschaft gewinnen sehen wollen, die guten Kombinationsfußball spielt und spektakuläre Tore erzielt.  

Auch die Einteilung in Klassiker, Lokalderby`s und Pokalfights ist nicht so abwegig, wie man zunächst meinen könnte. Einerlei ob Tagestitel oder nicht, aus deutscher Sicht zählen zu den Klassikern auf jeden Fall die Europasiegerschau, die Bundessiegerschau und die Hauptzuchtschau. Nur auf den letzten beiden werden die für den Deutschen Champion Club so wertvollen CAC`s vergeben. Auch die „Winner Amsterdam“ darf nicht vergessen werden, da hier ebenfalls neben dem niederländischen Tagestitel zusätzlich ein deutsches Ticket erworben werden kann.  

Die Lokalderby`s haben, wie der Name schon sagt, ihren regionalen Bezug und dementsprechende Bedeutung. Es treffen überwiegend ortsnahe Konkurrenten aufeinander – und dies immer wieder – wobei aber auch durchaus ortsfremde willkommen sind. Gewinnt der lokale Favorit, gibt es schon mal lokale Verwicklungen, gewinnt die ortsfremde Konkurrenz, ist alles in Ordnung.  

Tja, und da sind noch die Pokalfights; egal ob internationale, nationale oder rassespezifische Schauen, sie alle haben ihre Höhen und Tiefen, sind aber eher von Einmaligkeit geprägt und machen, was die Güte und Anzahl der Hunde, die Menge der Richter, die Organisation und die gebäudemäßigen Voraussetzungen betrifft, so oder so von sich Reden. Hier wird sich so mancher Daheimgebliebene - genauso wie bei den Lokalderby`s - im Nachhinein manchmal ärgern, dann doch nicht dabei gewesen zu sein. In wenigen Ausnahmefällen bewahrheiten sich allerdings auch schon mal die Prognosen der ewigen Pessimisten und wie bei manchen langweilen Fußballspielen, die mit 0 : 0 enden, trauert man dem Eintrittsgeld hinterher.  

Der aufmerksame oder erfahrene Leser wird nun natürlich nach den ausländischen Ausstellungen fragen. Nun, wir wissen zunächst alle miteinander, was wir von den Shows in Japan, Chile oder auf den Golan-Höhen zu halten haben. Es ist eine finanzielle und organisatorische Frage; Titel und Siege sind zwangsläufig unter sehr wenigen Hunden zu vergeben und daher häufig fast vorprogrammiert.  

Schwieriger wird es da schon in Europa und im Speziellen in West-Europa. Das ist es wieder genauso wie im Fußball. Fährt der SV Werder Bremen nach Zypern oder der Hamburger Sportverein nach Reykjavik ist nur die Höhe des Sieges eine Frage. Trifft Bayer Leverkusen auf Manchester, Borussia Dortmund auf Feyenoord Rotterdam oder Hertha BSC Berlin auf AS Monaco werden die Vorhersagen schon nicht mehr so eindeutig ausfallen. Der Heimvorteil wiegt – wie bei den Ausstellungen manchmal sehr schwer - und international wird anders gepfiffen.  

Wem es gelingt, sich unter diesen Bedingungen einmal durchzusetzen, egal ob im Fußball oder bei Hundeausstellungen, der hat Respekt verdient.  

Für welchen Ausstellungsbesuch sich die fleißig Planenden letztlich entscheiden und warum, ist und bleibt ungewiss; jeder fährt schließlich freiwillig. Jeder von diesen Freiwilligen mag jedoch noch einen Moment innehalten, bevor er die Meldeunterlagen versendet, und sich fragen ( wie in der Bundesliga) :  wie ist es mit der Form ???  

Keiner läuft in der Bundesliga auf, der nicht wenigstens 90 Minuten durchhalten, geschweige denn einen Ball stoppen und über 20-Meter gerade passen kann. Gemessen an diesen Maßstäben sollte der Ausstellungshund Dreieck, Vor- und Zurück, Kreis, Zähnezeigen etc. ebenso beherrschen und außerdem einen langen Ausstellungstag sowohl psychisch als auch physisch gut durchstehen können.  

Und wenn denn alles gut vorbereitet und trainiert wurde und bei der Ausstellung trotzdem alles schief geht, ist es sicherlich tröstlich zu hören, dass selbst FC Bayern München zuhause schon mal 7 : 0 gegen FC Schalke 04 verloren, aber auch in Mailand schon locker mit 3 : 1 gewonnen hat.  

Entscheidend war hier jeweils die Tagesform und nicht die vermeintliche Klasse der Spieler auf dem Papier.

 

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