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Von der Wurfkiste bis zum Ausstellungsring  

Wenn man – insbesondere auf internationalen Ausstellungen – die prächtigsten Exemplare unserer Rasse in gut bestückten Siegerklassen bewundern kann, macht sich kaum einer der unbedarften aber neugierigen Zuschauer eine Vorstellung

darüber, welche Entwicklung ein Beardie von der Geburt bis zu dieser Reife durchlebt hat. Wer mit dem Gedanken kokettiert, auch einmal mit seinem Beardie so bewundert zu werden, muss wissen, dass zunächst einmal die wesentlichen Voraussetzungen für das spätere ansprechende Erscheinungsbild natürlich die Gene sind. Sicherlich kann man mit viel Erfahrung und Mühe aus einem durchschnittlich veranlagten Hund noch etwas machen; aber viel leichter geht es schon, wenn von vornherein alles stimmt.  

Die Einflussnahme des Menschen beginnt also erst mit der Geburt. Von der Geburt bis zum Zeitpunkt, wo sich die Augen der Welpen öffnen (nach ca. 10-12 Tagen) ist zumindest die visuelle Kontaktaufnahme nicht möglich. Deshalb ist es um so mehr förderlich, dem Welpen körperlichen und akustischen Kontakt anzubieten. Hierzu gehört es auch, die Welpen bei ihrem individuellen Namen zu rufen. Nach meiner Überzeugung sollte nämlich die Gewöhnung und Fixierung auf den Menschen so früh wie möglich stattfinden, auch wenn man sich rein wissenschaftlich noch nicht in letzter Konsequenz darüber im Klaren ist, ab wann der Welpe diese Reize tatsächlich wahrnimmt.  

In den ersten Wochen übernimmt die Mutter – und niemand ist so perfekt wie sie – die Körperpflege der Welpen. Sie putzt so gründlich und massiert dabei gleichzeitig, dass in der Regel keine Wünsche offen bleiben. Trotzdem empfiehlt sich neben dem täglichen Wiegen, regelmäßig den Zustand der Welpen in Augenschein zu nehmen, um rechtzeitig irgendwelche ungewöhnlichen Entwicklungen wahrnehmen zu können. Zur Körperpflege von innen gehören natürlich auch die ab dem 14.ten Tag durchzuführenden Wurmkuren.  

Letztlich ist die Nagelpflege zu erwähnen. Die Welpen können bereits in der 2.ten Woche sehr lange oder scharfe Krallen (besser Krallennägel) haben, mit denen sie der Mutter beim Milchtritt u. U. sehr weh tun. Wenn man so etwas feststellt, ist es kein Problem, diese Nägel mit einer normalen Nagelschere etwas zu kürzen.  

Mit der Zufütterung der Welpen (ca. ab 3 – 4 Woche) nimmt die Putzwut der Hündin normalerweise ab. Hinzu kommt, dass dann oder wenig später auch das Milchangebot langsam nachlässt, so dass nun die Verantwortung für die Hinterlassenschaften der Kleinen voll auf den Züchter übergeht. Dies bedeutet auch, dass die Fellpflege der Kleinen nun zu den regelmäßigen Aufgaben gehört, wobei anzumerken ist, dass sich eingetrocknete Reste natürlich wesentlich schlechter entfernen lassen, als noch relativ frische. Auch die Entfernung von Augensekretresten ist kein Problem, wenn es regelmäßig gemacht wird.  

Mit 6 – 7 Wochen beginnen die Welpen langsam, ihre eigene Hygiene zu entdecken.  

Ab dieser Zeit kann man auch schon beginnen, die Welpen an Kämmtisch und Bürste zu gewöhnen, obwohl es von der Fellstruktur her natürlich noch lange nicht erforderlich ist. Dies erleichtert jedoch später den Ablauf der regelmäßigen Bürstveranstaltung.  

Die Entwicklung der Zähne zu beobachten, spielt in zweierlei Hinsicht eine Rolle. Zu einem gibt uns ihr Vorhandensein und die Größe eine Hilfestellung bei der Beurteilung, in welcher Konsistenz das Futter gereicht werden sollte. Andererseits können bereits im Welpengebiss Fehlstellungen oder Abweichungen von der Norm vorhanden sein. Dies ist grundsätzlich kein Grund zur Beunruhigung, weil dies noch keinen endgültigen Rückschluss auf das Gebiss des erwachsenen Beardies bedeuten muss.  

Sofern allerdings die Fangzähne (Canini) zu eng stehen und nicht außerhalb der Zahnreihe enden, sondern sich in den Kiefer (in der Regel ist es der Oberkiefer) bohren, kann es in den dort entstehenden Löchern zu Infektionen kommen. Hier hilft ein fachkundiger Eingriff des Tierarztes, der den Zahn normalerweise einfach kürzt.  

Weiterhin schadet es nicht, das Gebiss täglich einzusehen. Wer dann später einmal selbst den Zahnstein entfernt oder auf Ausstellungen fährt, wird den Unterschied, wie der Hund darauf reagiert, schnell feststellen.  

Ein weites Feld ist das Thema „Impfen“. Mich hat bisher ein Referat von Herrn Prof. Horzinek (Uni Utrecht) am meisten überzeugt. Er vertritt die These, dass zu frühes Impfen möglicherweise auch von Nachteil sein kann. Dies sei nämlich dann der Fall, wenn sich der noch ausreichende Impfschutz, der von der Mutter auf die Welpen übertragen wird, mit der Impfung neutralisiert. Hier ist jedoch die individuelle Entscheidung des Züchters gefragt, dem niemand die Verantwortung abnehmen kann.  

Ab der 8.ten Woche beginnt dann die individuelle Erziehung. Auch hier gilt, was bereits zuvor gesagt wurde: je früher der Welpe an das gewöhnt wird, was später einmal für seine Pflege oder für seine Aufgaben (auch im Ausstellungsring) wichtig ist, um so leichter geht es.  

Der Bereich der Erziehung erstreckt sich vom Befolgen von Kommandos bis hin zur Leinenführigkeit, wobei Stubenreinheit und allgemeines Verhalten im Haus und Garten und in der Öffentlichkeit auch dazu gehören. Apropos Leinenführigkeit: So wichtig eine gute Leinenführigkeit ist, darf man darüber nicht vergessen, dass sich ein freies Gangwerk nur ohne Leine entwickeln kann.  

Nach meiner Überzeugung bewährt sich im übrigen bei den überaus intelligenten Beardies das pädagogische Prinzip der Belohnung am Besten. Gleichwohl muss auch mal geschimpft werden, wobei hier lange Ansprachen wegen ihrer Unwirksamkeit möglichst vermieden werden sollten.  

Zum Thema Erziehung ist grundsätzlich noch folgendes zu bemerken:  

Bearded Collies sind Hütehunde, keine Jagdhunde, keine Schutzhunde, keine Gesellschaftshunde oder sonst was. Wie jeder Rassehund, haben sie also ein über Jahrhunderte, wenn nicht sogar über Jahrtausende erworbenes instinktives Verhalten. Sie sind „Spezialisten“ für eine bestimmte Aufgabe, nämlich das Hüten! Was heißt das?

Man muss unterscheiden. So wie z.B. bei den Jagdhunden unterschiedliche Spezialisten herausgebildet wurden (Vorstehen, Apportieren, Spurarbeit, usw.), ist bei den Hütehunden zu differenzieren in „Schutz der Herde (z. B. Pyrenäenhund, Bobtail)“, „Treiben über große Strecken (Bearded Collie)“,“ Koppelarbeit (Border Collie, Welsh Corgi)“.  

Die mit diesen Arbeiten verbundenen Eigenschaften muss man kennen und sich zunutzte machen. Für den Bearded Collie bedeutet es, besonders auf seine Selbständigkeit, Intelligenz, Ausdauer, Wetterfestigkeit und Aufmerksamkeit einzugehen.    

Wenn man meint, die Ausbildung des Hundes bald abschließen zu können, setzt die Pubertät ein in der alles Erlernte in Vergessenheit geraten zu sein scheint. Hier hilft nur eine Wiederholung der abgehaltenen Exkurse im Schnelldurchgang.  

Zwischenzeitlich darf man natürlich nicht vergessen, den Welpen - neben der Gewöhnung an die menschliche Zivilisation - seinen Artgenossen nicht zu entfremden. Neben den täglichen Spaziergängen, auf denen man die zu machenden Erfahrungen erwerben kann, bieten sich als Ergänzung Hundeplätze etc. an. Hier sollte man auf welpengerechte Zustände achten und kritisch beobachten, ob wirklich die Hunde etwas miteinander tun, oder ob die Dressur im Vordergrund steht. Es ist beileibe keine Schande, sich nicht für eine Schutzhundprüfung III zu interessieren. Dort, wo neben dem Welpenkurs auch Ausstellungstraining angeboten wird, sollte man sich durchaus mal die Zeit nehmen, zuzuschauen.  

Die Frage nach der ersten Ausstellung kommt unweigerlich und hier scheiden sich oft schon die Geister.  

Jüngstenklasse a) ja oder nein? b) Wo? c) Bei wem? d) Mit wem?  

a)

Die Jüngstenklasse hat u. a. den Sinn, den Hund an die Ausstellung zu gewöhnen und eine erste Einschätzung zu bekommen, wie ihn die Richterwelt im Vergleich zum Standard sieht. Deshalb ist diese Klasse für viele unverzichtbar. Dies gilt um so mehr, wenn man allein dasteht. Gibt es eine Betreuung durch den Züchter, gilt natürlich sein Rat.  

b)

Es macht keinen Sinn, für die erste Ausstellung bereits eine halbe Weltreise zu unternehmen. Ich empfehle, darauf zu achten, dass der Hund ein gutes Erlebnis hat. Deshalb sollte man anfangs nicht so weit fahren und vielleicht eine Freiluftveranstaltung vorziehen.  

c)

Man hört schon mal Aussagen, dass es anstrebenswert sei, in der Jüngstenklasse eine Bewertung von einem englischen Richter zu bekommen. Welche Assoziationen damit verbunden sind, möchte ich nicht beurteilen. Ich kann hier wegen des guten Erlebnisses nur empfehlen, sich einen besonders liebevollen Richter auszusuchen, egal welcher Nationalität.    

d)

Wird die Ausstellung zum Familienausflug mit Tante, Onkel und Nachbarn kann man damit rechnen, dass der Hund im Ring seine ungeteilte Aufmerksamkeit nicht dem Vorführenden oder dem Richter widmet. Deshalb ist es ratsam, ein möglichst professionelles Umfeld und klare Aufgabenteilung zu schaffen. Es muss schon vorher geregelt sein, wer den Hund vorführt und wer sich um was kümmert.  

Irgendwann kommt die Praxis, d. h. das Gewöhnen an die Ausstellung mit allen Begleiterscheinungen, wie z. B. langen Autofahrten, Schlangestehen vor den Eingängen, Aufenthalt in den Boxen usw.   

Soweit auch hier Routine erlangt wurde, stellen sich nun z. B. die folgenden Fragen:  

Welche Länge sollte dass Fell haben?  

Wie sollten Unterwolle und Deckhaar beschaffen sein?  

Empfiehlt es sich, den Hund vor der Ausstellung zu baden?  

Wie ist der Hund zu kämmen und wo sollten Scheitel verlaufen?  

Dürfen Hilfsmittel verwendet werden und wenn ja welche?  

Welche Vorführleine ist am geeignetsten?  

usw., etc., pp.  

All diese Fragen können m. E. nur individuell beantwortet werden. Hier ist der ehrlich gemeinte Rat von erfahrenen und erfolgreichen Ausstellern Gold wert und niemand sollte sich scheuen zu fragen oder aus falsch verstandenem Stolz darauf zu verzichten.   

Abschließend sollte vielleicht noch darauf hingewiesen werden, dass das zuvor Gesagte – und dass ist sehr wichtig – natürlich auch für Fragen der Gesundheit des Hundes gilt. Bei einem normalen Kontakt mit seinem Hund fällt sofort auf, wenn etwas nicht stimmt. Hier sollte zum Wohle des Hundes nicht gezögert werden, den Dingen unmittelbar auf den Grund zu gehen und im Zweifel schnell Rat einzuholen. Die Gefahr, damit jemandem auf den Wecker zu gehen, ist ungleich geringer, als möglicherweise schwerwiegende gesundheitliche Schäden nicht rechtzeitig bekämpfen zu können.        

 

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