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Träume  

Der Autofan träumt von einem Porsche oder vielleicht von einer Karosse aus den USA, der Reiselustige träumt von Neuseeland oder von der Route 66 und der Fußballfan von der Meisterschaft seines Vereins.  

Und der Beardie-Fan? Hat auch er Träume?  

Ganz gewiss und sicherlich mehr als einen!  

Was steht ganz oben auf der Wunschliste?  

Die Superzuchthündin, der von allen heiß begehrte Deckrüde, der Ausstellungshund schlechthin, mal ein BIS, mal ein BOB, mal ein CACIB, mal ein V 1 ..........................  

Die Wunschliste ist denkbar lang und vielleicht sogar endlos.  

Wir wissen alle, dass zwischen Wunsch und Wirklichkeit oftmals ein (wie sagt man heute neusprachlich) “großes Delta” klafft.  

Der erwähnte Autofan kommt seinem Traum durch Sparen oder Verschulden näher, gleiches gilt für den Reiselustigen; dem Fußballfan bleibt aktiv keine Chance, er hat nur die Spanne von “Daumendrücken” bis “Anfeuern”.  

Der Beardie-Fan kann – ein gewisses sicheres Einkommen vorausgesetzt – vollkommen eigenständig aktiv werden und sich die Erfüllung seiner Zuchthündinnen-Träume sichern. Gute Zuchthündinnen schüttelt man allerdings nicht von den Bäumen. Was ist aber eine gute Zuchthündin, woran erkennt man sie und was sind die Kill-Kriterien?  

Wichtigster Grundsatz ist, dass die Hündin – die ja mit mehreren Rüden verpaart werden soll – möglichst ausgeglichen ist und keinerlei extreme Seiten hat. Das gilt besonders für Weißabzeichen, Zähne, Hüfte, Vorgesicht, Körperbau und Wesen.  

Eine weißüberzeichnete Hündin mag erfolgreich ausgestellt worden sein, die rezessive Funktion der Erbgänge lässt sich aber nicht austricksen und auch wenn der Deckrüde diesbezüglich phänotypisch einwandfrei ist, erlebt so mancher seine böse Überraschung. Die Beardies haben ein zu kleines Erbpotential, als dass diese Faktoren vernachlässigt werden könnten.  

Gleiches gilt für Zahnfehlstellungen, fehlende Zähne, HD und auch für kurze Körper, lange Vorgesichter oder schlechte Winkelungen (insbesondere der Vorhand). Auch wenn die Fehler zunächst mittels erfolgreichem Outcross nicht mehr auftreten, erlebt man bei der Rückkehr zur Linienzucht, dass die Fehler auch nach 3 Generationen und mehr plötzlich wieder auftauchen – manchmal sogar verstärkt - und das kratzt dann deutlich am Erbe der vermeintlichen Superzuchthündin.  

Auch beim Wesen ist diesbezüglich Vorsicht geboten. Was nützt es, wenn die Hündin gut gebaut, reich behaart, ohne Zahn-, Pigment und Hüftfehler ist, wenn ihre Ängstlichkeit sie so dominiert, dass Ausstellung und Zucht unmöglich oder nicht ratsam sind.  

Auf der Wunschliste steht als nächstes der Deckrüde. Es gab Zeiten, da rühmten sich manche, dass ihr Beardie-Rüde mehr als 1000 Kindern gezeugt hat. Um dies zu erreichen, sollte ein Deckrüde, abgesehen von anderen wichtigen Faktoren, vor allem eines können: Decken. Das ist manchmal gar nicht so einfach. Ich will hier nicht näher auf die möglichen Störfaktoren oder nicht erfüllte Deckvoraussetzungen eingehen. Jeder Deckrüdenträumer muss aber heute wissen, dass die Landschaft gegenüber den früheren Jahren pluralistischer geworden ist und angesichts mancher Beispiele (auch Importen aus England) die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass der Traum von den 1000 Kindern nicht mehr so schnell in Erfüllung gehen wird.   

Anders ist da der Traum vom erfolgreichen Ausstellungs-Beardie einzuschätzen. Angesicht der Vielzahl der Ausstellungen im Jahr und damit der Vielzahl der Richter, besteht durchaus die Möglichkeit, dass sich – neben den allgemeinen Voraussetzungen - bei guter Pflege, Training und Mut gute Ausstellungserfolge schnell einstellen können. Hier ist es erfahrungsgemäß besser, nicht nur hin und wieder mal eine Ausstellung in der Nähe zu besuchen, sondern sehr gezielt, “kilometer-fressend” und hartnäckig mit einem sich schnell daran gewöhnenden Beardie präsent zu sein. Nur eine gewisse Präsenz erzeugt in der Folge Mechanismen, deren Funktion jeder erfolgreiche Aussteller (im Nachhinein betrachtet) zu beherrschen glaubt.  

Träume, so sagt man, sind Schäume und wenn sie denn Realität werden, folgen schnell neue Träume; denn die Ausstellungen sind irgendwann vorbei, die Karosse aus Amerika auf dem Schrott, die Reise nach Neuseeland vergessen, die Meisterschaft Schnee von gestern.  

Aber die Spuren, die in der Zucht hinterlassen wurden, sind unauslöschlich, solange es Nachfahren unserer geliebten Rasse “Beardie” gibt.

 

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