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Götterdämmerung  

Im Herbst, wenn es in Deutschland kalt und ungemütlich wird, treffen sich jedes Jahr, und zwar an einem nebeligen Samstag im November eine Menge Leute mitten in der urbanen Natur des Ruhrgebietes. Götterdämmerung? Nicht ganz so rudimentär, aber fast, denn es könnte folgendes Motto gelten: “Wer einmal Geschmack an Austern gefunden hat, kann sie nicht mehr missen”! Das gleiche Motto gilt analog für die von z. T. weit her eingetroffenen Beardie-Besitzer und ihre Lieblinge, die sich anläßlich einer Wanderung gute zwei Stunden naßregnen lassen wollen. Abgesehen von den hohen Streckenanforderungen, denen sich Mensch und Hund freiwillig stellen werden, wollen diese Unverzagten noch etwas anderes:  

. Sie wollen sehen, wie sich ihr Hund in einer Meute verhält  

. Sie wollen erfahren, was es an Neuigkeiten, Wissenswertem und Erfahrungen gibt  

. Sie wollen mehr Aufschluß über rassespezifische Dinge bekommen  

Die Wanderung selbst bricht stets wie ein Naturereignis in die Landschaft ein. Wie immer staunen die wenigen Zaungäste über so viele liebenswerte Geschöpfe, gute Disziplin und Harmonie. Es kommt vor, daß sich der eine oder andere “gefährliche” Stöckchenhund als überaus harmlos erweist, nachdem er von etwas lauffreudigeren und nicht so leicht zu beeindruckenden Zeitgenossen auf seinen hinteren Rang verwiesen wurde. Gleichfalls ist es nicht ungewöhnlich, wenn unterwegs offen stehende Fahrzeuge oder sogar Wohnungen von unseren vierbeinigen Freunden inspiziert und nicht ohne adäquate Spuren wieder verlassen werden. Ebenso erfährt der Beobachter, daß die Hundemeute exakt in wasserliebend und wasserignorierend eingeteilt werden kann, wobei einem erfahrenen Beardie-Besitzer dazu auch Attribute wie “blätterauflesend” oder “zweigbehaftet” einfallen könnten.  

Im weiteren Verlauf der Wanderung werden die Beardies vor den Augen ihrer aufmerksamen und mancher irgendwie auf Öffentlichkeitswirksamkeit bedachten Betrachter dank reichlich Wasser von oben und unten immer transparenter. Das ist genau so, als ob man zunächst nur das Etikett einer Weinflasche liest und meint schon alles zu wissen, aber später der erste Schluck dann doch positiv überrascht. Manche Würdenträger der Hundeszene belassen es allerdings bei dem Studium der Etiketten. 

 Zurück zu den Zaungästen, die die wassertriefende, sand- und blätterdurchsetzte Schar am Ende der Veranstaltung mit ekelverzerrtem Gesicht aus sicherer Entfernung begutachten. Wenn sie nun erführen, daß einige dieser Hunde demnächst wieder Schönheitsausstellungen besuchen werden und andere schon hochdekorierte Champions sind, würden sie heimlich die Leute mit den Zwangsjacken herbeiwünschen

 

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